Es ist zwar “nur” eine Pressemitteilung, die zum Kauf einer Zeitschrift animieren soll, dennoch glauben wir dieser Botschaft:

Ein grünes Umfeld tut dreifach gut: Es stärkt die Gesundheit, fördert die Konzentration – und lässt Menschen sogar attraktiver erscheinen.

Im Sommer verbringt etwa jeder zweite von uns täglich mehr als eine halbe Stunde im Grünen – und zwar am häufigsten im eigenen Garten. Das ergab eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Magazins Gehirn&Geist unter mehr als 1000 Deutschen. Und das ist gut so: Die sanften Reize der Natur stärken Leib und Seele!

Wer hätte das gedacht: Im Grünen geht es den Menschen besser

“Naturerleben verbessert in jeder Hinsicht unsere Gesundheit”, berichtet Jolanda Maas vom EMGO Institute for Health and Care in Amsterdam. Die Soziologin und ihre Kollegen analysierten Daten über die Gesundheit und das Wohnumfeld von rund 350.000 Niederländern. Ergebnis: Je grüner die Nachbarschaft, desto seltener litten Menschen an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Depressionen und Angststörungen. Nur ein Prozent weniger Grün hatte dabei den gleichen Effekt wie das Altern um ein weiteres Lebensjahr!

Naturnähe fördert außerdem das Konzentrationsvermögen – egal ob wir im Park spazieren gehen oder die Fensterbank begrünen. So zeigten die Psychologin Ruth K. Raanaas und ihre Kollegen von der Universität für Umweltwissenschaften in Ås (Norwegen) kürzlich, dass Probanden bei einem Merktest besser abschnitten, wenn sich im Versuchsraum Pflanzen befanden. Sie konnten sich dann im Schnitt an sieben Prozent mehr Wörter erinnern als Probanden in einem nicht begrünten Zimmer.

Der Kontakt zur Natur helfe auch Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), glaubt die amerikanische Psychologin Frances E. Kuo von der University of Illinois. In einer Studie aus dem Jahr 2009 zeigte ihr Team, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Sieben- bis Zwölfjährigen mit ADHS nach einem 20-minütigen Spaziergang durch einen Park etwa um dasselbe Maß stieg wie unter Behandlung mit dem ADHS-Medikament Ritalin. Durch ein Wohnviertel zu laufen, brachte den jungen Probanden hingegen keine Vorteile.

Wer nicht raus ins Grüne kann, sollte seiner Konzentration wenigstens mit ein paar Zimmerpflanzen im Büro auf die Sprünge helfen. Männern könnte das sogar zu einem Date mit der hübschen Kollegin verhelfen, wie Nicolas Guéguen von der Université de Bretagne-Sud in Vannes herausfand: Laut einem seiner Experimente finden Frauen einen Mann attraktiver und verabreden sich eher mit ihm, wenn sich Blumensträuße im Raum befinden. Offenbar fühle sie sich in Gegenwart blühender Pflanzen wohler fühlt – und übertrage dieses Gefühl auf ihn.

Quelle:

Gehirn&Geist, Mai 2011

Unordnung und Schmutz führen zur Abgrenzung von anderen Menschen

Eine schmutzige und unordentliche Umgebung kann zur Abgrenzung von anderen Menschen führen und Vorurteile fördern. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, die zwei Wissenschaftler der holländischen Universitäten Tilburg und Groningen in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht haben. Eine Erklärung für ihre Beobachtung haben der Psychologe Diederik Stapel und der aus Deutschland stammende Soziologe Siegwart Lindenberg gleich mitgeliefert: Eine schmuddelige Umgebung könne die Sehnsucht nach Ordnung auslösen und Menschen dazu bewegen, im Geiste die Dinge zu vereinfachen und in verschiedene Kategorien einzuteilen, schreiben sie.

Die Gelegenheit zum Testen ihrer Hypothesen verschaffte den Wissenschaftlern ein Streik des Reinigungspersonals am Bahnhof Utrecht, wo täglich mehrere Tausende Reisende auf ihre Züge warten. 40 dieser Reisenden gewannen die Forscher für eine Umfrage, bei der die ausschließlich weißen Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 9 beantworten sollten, ob bestimmte Eigenschaften auf Muslime, Homosexuelle oder Niederländer im Allgemeinen zuträfen.

Als Sitzgelegenheit zum Ausfüllen des Fragebogens bot man den Studienteilnehmern eine Reihe von sechs Plätzen an, von denen der erste jedoch bereits von einem dunkelhäutigen oder weißen Landsmann besetzt war. Eine Woche später – der Streik war inzwischen beendet und der Bahnhof wieder gesäubert – wiederholte man das Experiment. Dann verglichen Stapel und Lindenberg, wie viel Abstand die Versuchsteilnehmern zu ihrem weißen und zu ihrem farbigen Landsmann eingehalten hatten.

War der Bahnhof sauber, so setzten die Versuchsteilnehmer sich durchschnittlich etwas mehr als zwei Plätze von ihrem Landsmann entfernt nieder, um den Fragebogen auszufüllen. Der Unterschied zwischen weißen oder schwarzen Sitznachbarn betrug hier nur wenige Zentimeter. Im schmutzigen Bahnhof blieb der Abstand zwischen weißen Holländern praktisch unverändert. War der Nebenmann jedoch ein Farbiger, so wuchs der Abstand um fast eine Sitzbreite auf durchschnittlich drei Reihen. Zugleich ergab die Auswertung der Fragebögen, dass die Studienteilnehmer in einer schmutzigen Umgebung die Muslime und Homosexuellen viel stärker mit negativen Stereotypen beschrieben, als auf einem sauberen Bahnhof.

Mit einem zweiten Experiment zeigten Stapel und Lindenberg dann, dass nicht nur eine schmutzige, sondern auch eine unordentliche Umgebung die Diskriminierung anderer fördern kann. Diesmal hatten die Forscher 47 Passanten auf einer Straße in einer wohlhabenden Nachbarschaft befragt und dazu eigens ein paar Pflastersteine aus dem Belag gelöst, ein Auto falsch geparkt und ein Fahrrad an den Straßenrand gelegt. Tags darauf wiederholten sie ihre Befragung mit weiteren Fußgängern – allerdings waren die Pflastersteine diesmal an ihrem Platz, das Fahrrad ordentlich abgestellt und das Auto anständig geparkt. Wiederum verrieten die Antworten der Versuchspersonen auf der verwahrlosten Straße einen Hang zur Diskriminierung. Und in einer vorgetäuschten Geldsammlung für “Minderheiten, Immigranten und Obdachlose” spendeten die Anwohner an diesem Tag von fünf Euro durchschnittlich nur 1,70 Euro. Tags darauf zeigten sich auf der gleichen, nun wieder aufgeräumten Straße wesentlich großzügiger und warfen nun im Mittel 2,35 Euro in die Sammelbüchse.

Drei weitere Laborversuche bestätigten den Verdacht der Wissenschaftler: “Menschen reagieren sehr empfindlich auf Unordnung.” Und weiter: “Eine Umgebung, die als unordentlich empfunden wird, lädt die Menschen dazu ein, gegenüber anderen in Klischees zu denken.” Stereotypen seien demnach eine Art “Reinigungsmittel” für den Verstand, mit dem es leichter falle, in unordentlichen Verhältnissen zurecht zu kommen.

Stapel und Lindenberg geben sich indes nicht damit zufrieden, die Ergebnisse ihrer Arbeit zu veröffentlichen, sondern sie haben daraus auch einen Ratschlag für Politiker abgeleitet: “Zeichen der Unordnung wie zerbrochene Scheiben, Graffiti und herumliegender Müll fördern nicht nur antisoziales Verhalten, sie führen automatisch auch zu Stereotypen und Diskriminierung.” Deshalb müsse man verhindern, dass Wohngegenden verkommen und statt dessen in Reparaturen und Renovierungen investieren, fordern sie, denn das sei ein “relativ preiswerter und wirksamer” Ausweg.

Letztlich fordern Stapel und Lindenberg damit auch die konsequente Umsetzung der so genannte “Broken-Windows-Theorie” in die Praxis, die von den US-amerikanischen Politexperten James Q. Wilson und George L. Kelling vor nunmehr fast 30 Jahren durch einen Artikel in der Zeitschrift The Atlantic bekannt gemacht wurde. An dieser Vorstellung der zerbrochenen Fensterscheibe, die sofort repariert werden muss, um weitere Zerstörungen und ein abdriften ganzer Stadtviertel in die Kriminalität zu verhindern, orientierte sich Mitte der 1990er Jahre auch der damalige Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani. Das Ergebnis dieses Experimentes gilt noch heute als Bestätigung der Broken-Windows-Theorie: Binnen weniger Jahre reduzierte sich die Zahl der Raubüberfälle auf ein Drittel, die Zahl aller Straftaten ging um 75 Prozent zurück und New York zählt noch heute zu den sichersten Großstädten in den USA.

Quellen:

Zutaten, Haltbarkeitsdatum, Nährwerttabelle, Biosiegel oder keins? Man sollte meinen, dass die meisten Verbraucher schon jetzt überfordert sind damit, all die gesetzlich festgelegten Hinweise auf Lebensmittelverpackungen zu lesen und zu verstehen. Trotzdem fordern Wissenschaftler jetzt ein weiteres Etikett, nicht nur für Lebensmittel, sondern am liebsten gleich für alle Erzeugnisse: Ein einheitliches Symbol soll künftig darüber Auskunft geben, wie viel Kohlendioxid bei der Herstellung und während der Lebensdauer von Backsteinen und Bierbüchsen, von Fahr- und Motorrädern, von Socken, Unterhosen und überhaupt allen Produkten freigesetzt wird.

Kohlendioxid – wir erinnern uns – ist jenes Gas, das bei der Verbrennung von Benzin aus Automotoren freigesetzt wird und beim Heizen unserer Wohnungen. Es entweicht unseren Körpern mit jedem Atemzug, es entsteht aber auch als Abfallprodukt wo immer wir aus Rohstoffen neue Gegenstände erzeugen und natürlich auch beim Transport dieser Güter auf unsere Märkte und zum Verbraucher. Von Menschen erzeugtes überschüssiges Kohlendioxid ist nach Meinung einer überwältigenden Mehrheit von Klimaforschern hauptverantwortlich für die globale Erwärmung, das weltweite Ansteigen der Temperaturen inklusive abschmelzenden Gletschern, steigendem Meeresspiegel und immer häufigeren extremen Wetterereignissen wie Dürren, Orkanen und Sturmfluten.

In der April-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Climate Change haben Michael Vandenbergh, Thomas Dietz und Paul Stern deshalb vorgeschlagen, den Kohlendioxid-Verbrauch für den Einzelnen durch spezielle Etiketten sichtbar zu machen. “Wenn man auf die Verpackung schaut, kann man bislang nicht erkennen, wieviel Kohlendioxid bei der Herstellung des Produktes entstanden ist. Erst wenn man diese Informationen hat, kann man sich beim Einkaufen für den Umweltschutz entscheiden”, glaubt Vandenbergh, der als Professor für Umweltrecht an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee lehrt und gleichzeitig Leiter des dortigen Forschungsnetzwerks zum Klimawandel ist.

Ein weiterer Vorteil von weltweit einheitlichen und zertifizierten Etiketten zum Kohlendioxid-Verbrauch wäre der Anreiz für das produzierende Gewerbe. Die Firmen würden nämlich einerseits dann untereinander in einen Wettbewerb eintreten, um den stetig wachsenden Anteil umweltbewusster Verbraucher für ihre Produkte zu gewinnen. Außerdem würde das Etikett die Firmen zwingen, ihre Produktionsabläufe genauer unter die Lupe zu nehmen. Studien hätten gezeigt, dass dann oftmals nicht nur umweltfreundlichere Herstellungsverfahren gefunden werden, sondern dass die Firmen dabei auch noch Geld sparen.

Wie solch ein Kohlendioxid-Etikett aussehen könnte, hat mit Unterstützung der Regierung in Großbritannien bereits der Carbon Trust gezeigt, eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Einkünfte von Firmen zu erhöhen durch Einsparungen bei den Kohlenstoff-Emissionen, geringeren Energieverbrauch und die Vermarktung von Techniken zur Einsparung von Kohlendioxid. “Kleine Veränderungen durch die Verbraucher werden bei der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes eine große Rolle spielen”, so Vandenbergh.

Quellen:

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