Ein Etikett gegen die globale Erwärmung?

Zutaten, Haltbarkeitsdatum, Nährwerttabelle, Biosiegel oder keins? Man sollte meinen, dass die meisten Verbraucher schon jetzt überfordert sind damit, all die gesetzlich festgelegten Hinweise auf Lebensmittelverpackungen zu lesen und zu verstehen. Trotzdem fordern Wissenschaftler jetzt ein weiteres Etikett, nicht nur für Lebensmittel, sondern am liebsten gleich für alle Erzeugnisse: Ein einheitliches Symbol soll künftig darüber Auskunft geben, wie viel Kohlendioxid bei der Herstellung und während der Lebensdauer von Backsteinen und Bierbüchsen, von Fahr- und Motorrädern, von Socken, Unterhosen und überhaupt allen Produkten freigesetzt wird.

Kohlendioxid – wir erinnern uns – ist jenes Gas, das bei der Verbrennung von Benzin aus Automotoren freigesetzt wird und beim Heizen unserer Wohnungen. Es entweicht unseren Körpern mit jedem Atemzug, es entsteht aber auch als Abfallprodukt wo immer wir aus Rohstoffen neue Gegenstände erzeugen und natürlich auch beim Transport dieser Güter auf unsere Märkte und zum Verbraucher. Von Menschen erzeugtes überschüssiges Kohlendioxid ist nach Meinung einer überwältigenden Mehrheit von Klimaforschern hauptverantwortlich für die globale Erwärmung, das weltweite Ansteigen der Temperaturen inklusive abschmelzenden Gletschern, steigendem Meeresspiegel und immer häufigeren extremen Wetterereignissen wie Dürren, Orkanen und Sturmfluten.

In der April-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Climate Change haben Michael Vandenbergh, Thomas Dietz und Paul Stern deshalb vorgeschlagen, den Kohlendioxid-Verbrauch für den Einzelnen durch spezielle Etiketten sichtbar zu machen. „Wenn man auf die Verpackung schaut, kann man bislang nicht erkennen, wieviel Kohlendioxid bei der Herstellung des Produktes entstanden ist. Erst wenn man diese Informationen hat, kann man sich beim Einkaufen für den Umweltschutz entscheiden“, glaubt Vandenbergh, der als Professor für Umweltrecht an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee lehrt und gleichzeitig Leiter des dortigen Forschungsnetzwerks zum Klimawandel ist.

Ein weiterer Vorteil von weltweit einheitlichen und zertifizierten Etiketten zum Kohlendioxid-Verbrauch wäre der Anreiz für das produzierende Gewerbe. Die Firmen würden nämlich einerseits dann untereinander in einen Wettbewerb eintreten, um den stetig wachsenden Anteil umweltbewusster Verbraucher für ihre Produkte zu gewinnen. Außerdem würde das Etikett die Firmen zwingen, ihre Produktionsabläufe genauer unter die Lupe zu nehmen. Studien hätten gezeigt, dass dann oftmals nicht nur umweltfreundlichere Herstellungsverfahren gefunden werden, sondern dass die Firmen dabei auch noch Geld sparen.

Wie solch ein Kohlendioxid-Etikett aussehen könnte, hat mit Unterstützung der Regierung in Großbritannien bereits der Carbon Trust gezeigt, eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Einkünfte von Firmen zu erhöhen durch Einsparungen bei den Kohlenstoff-Emissionen, geringeren Energieverbrauch und die Vermarktung von Techniken zur Einsparung von Kohlendioxid. „Kleine Veränderungen durch die Verbraucher werden bei der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes eine große Rolle spielen“, so Vandenbergh.

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